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Energie und Klimaschutz im Landkreis Nürnberger Land

Kommunen sind wichtige Akteure für eine wirkungsvolle Umsetzung von Klimaschutzpolitik, denn sie stehen am Anfang und am Ende der Wirkungskette für engagierten Klimaschutz. Dieser Verantwortung stellen sich auch der Landkreis Nürnberger Land und die Landkreisgemeinden und -städte.

  • Hackschnitzelkessel im Landratsamt in Lauf © Jürgen Blechschmidt, Landkreis Nürnberger Land
  • Sanierungsarbeiten am Gebäude des Landratsamtes in Lauf © Jürgen Blechschmidt, Landkreis Nürnberger Land
  • Montage eines Rotorflügels für eine Windkraftanlage bei Alfeld © Bernd Hölzel, Landkreis Nürnberger Land

Unabhängig von Parteibüchern und bürokratischen Hindernissen arbeiten die Kommunen und der Landkreis in Sachen Klimaschutz seit Jahren eng zusammen. 2011 wurde durch das Institut für Energietechnik GmbH (IfE) an der Hochschule Amberg-Weiden ein Integriertes Klimaschutzkonzept (IKSK) für den Landkreis erstellt. Mit dem IKSK wurde eine strategische Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe für zukünftige Klimaschutzanstrengungen geschaffen. Die Umsetzung des IKSK wird über das Klimaschutzmanagement im Landratsamt koordiniert. Unter dem Titel „Beratende Begleitung bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes des Landkreises Nürnberger Land“ wird diese Maßnahme vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert.

Klimaschutzmanagement

Ein Manager plant, organisiert, führt, koordiniert und kontrolliert. So zumindest erklären Wirtschaftslexika ganz allgemein die Aufgaben eines Managers. Genau das beinhaltet die Arbeit des Klimaschutzmanagements im Landkreis Nürnberger Land.

Das Klimaschutzmanagement ist verantwortlich für die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes (IKSK), das 2012 im Kreistag verabschiedet wurde. Das IKSK wurde durch das Institut für Energietechnik (IfE) aus Amberg erstellt. Es enthält eine erste Energie- und CO2-Bilanz sowie eine Potenzialanalyse zur Umsetzung der Energiewende im Landkreis. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurde ein Maßnahmenkatalog erstellt, der aufzeigt, welche Handlungsoptionen das Nürnberger Land hat. Das IKSK ist somit die Ausgangsbasis und der rote Faden der Aktivitäten des Klimaschutzmanagements.

Ambitionierte Ziele

Die Energie- und CO2-Bilanz mit den Daten von 2010 hat ergeben, dass die Bewohner des Nürnberger Landes pro Kopf 9,7 t CO2 im Jahr verursachen. Schwer vorstellbar? Stimmt. Besonders weil es sich bei Kohlendioxid um ein Gas handelt. Ein Hilfsmittel ist die räumliche Darstellung. Eine Tonne CO2-Gas in Raumvolumen beträgt umgerechnet 556.200 l. Eine Tonne CO2 benötigt also ein Volumen von 556,2 m³. Das entspricht einem Würfel von 8,22 m Kantenlänge. Oder Sie denken an das 25-m-Becken in der Fackelmann-Therme. Dies entspricht auch in etwa dem Raumvolumen einer Tonne CO2.

Wir im Nürnberger Land verursachen folglich mehr als neun solcher Becken voll mit CO2. Jeder von uns, jedes Jahr. Das soll sich bis 2030 ändern. Im IKSK wurde berechnet, dass eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 43 % gegenüber 2010 zwar ambitioniert, aber möglich ist. Damit würde der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß auf 5,5 t pro Einwohner sinken.

Klimaschutz ist mehr als nur Energiesparen. Jeder Einzelne kann zum Schutz des Weltklimas beitragen und seinen individuellen Schwerpunkt setzen: regional einkaufen, Wasser sparen, weniger Auto fahren, seine Heizung erneuern, ... Nicht jeder muss alles tun, aber jeder sollte etwas tun.

Klimaschutzmanagement

Klimaschutzmanagement / Kreisentwicklung, Landratsamt Nürnerger Land

Waldluststraße 1, 91207 Lauf a.d.Pegnitz

Für Fragen und Anregungen steht das Klimaschutzmanagement gerne zur Verfügung

Optimierung der kreiseigenen Liegenschaften

Der Landkreis unterhält eine ganze Reihe von Liegenschaften. Neben den Verwaltungsgebäuden sind das vor allem die kreiseigenen Schulen. Alle Gebäude werden nach und nach saniert und an die energetischen und ökologischen Standards angepasst. Ziele bei allen Sanierungsprojekten sind die Reduzierung des Energieverbrauchs, die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien und die Förderung innovativer Technologien. So kann auf lange Sicht die CO2-Bilanz des Landkreises erheblich verbessert werden.

Insgesamt sind gemäß dem Investitionsplan 2014-2017 rund 24 Mio. € für Sanierungsmaßnahmen eingeplant. Der Landkreis kommt dadurch seiner Vorbildfunktion bei der energetischen Sanierung von kreiseigenen Gebäuden nach und setzt ein markantes Zeichen für den Klimaschutz.

Beispiel Energetische Sanierung des Landratsamtes

Die umfassende energetische Sanierung der Gebäudehülle des Landratsamtsgebäudes (Dämmung der Außenwände und Erneuerung der Fenster) wird in den kommenden Jahren abschnittsweise durchgeführt – und das bei „laufendem Betrieb“. Momentan sind in etwa 75 % der Sanierung abgeschlossen. Insgesamt wird nach Beendigung der Sanierungsarbeiten eine Heizenergieeinsparung von rund 340.000 kWh pro Jahr erreicht werden. Das entspricht etwa 34.000 l Heizöl pro Jahr! Dadurch können jährlich bis zu 84 t CO2 eingespart werden. Gleichzeitig wird durch die Maßnahmen der sommerliche Wärmeschutz enorm verbessert sein – ein Komfortgewinn, der von den Mitarbeitern in den Büros der bereits sanierten Teilbereiche des Amtes heute schon geschätzt wird.

Beispiel Beleuchtung

In den Gebäuden des Landratsamtes und des Gesundheitsamtes in Lauf sowie in der Bitterbachhalle in Lauf (Vierfach-Sporthalle) wurde die Beleuchtung saniert. Die Leuchten wurden auf LED-Technik umgerüstet und die Regelung und Steuerung optimiert. Das bedeutete für die Bürogebäude beispielsweise den Einbau von Präsenzmeldern. All das mit einem erfreulichen Ergebnis:

Bitterbachhalle:

  • CO2-Einsparung   ca. 1.200 t in 20 Jahren
  • Stromeinsparung  ca. 106.000 kWh pro Jahr
  • Haushaltsentlastung   ca. 20.000 € pro Jahr

Landratsamt / Gesundheitsamt:

  • CO2-Einsparung   ca. 272 t in 20 Jahren
  • Stromeinsparung  ca. 23.100 kWh pro Jahr
  • Haushaltsentlastung   ca. 4.300 € pro Jahr

Beispiel Hackschnitzelheizungen

Insgesamt drei neue Hackschnitzelheizungen wurden installiert, um eigene Liegenschaften mit Wärme aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz zu versorgen: Eine Anlage versorgt das Amtsgebäude des Landratsamtes, zwei weitere die Schulgebäude im nordwestlichen Bereich von Lauf.

Durch die Nutzung von Holz-Hackschnitzeln kann hier pro Jahr eine CO2-Einsparung von ca. 1.000 t erreicht werden. Weil ausschließlich Holz aus der Region genutzt wird, werden die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe wirtschaftlich gefördert und gestärkt. Die Wertschöpfung bleibt somit dauerhaft in der Region.

Für die Hackschnitzel-Heizanlage des Amtsgebäudes hat der Landkreis ca. 280.000 € (inklusive Hackgutbunker, Elektro- und Umbauarbeiten) investiert. Seit dem Betriebsstart 2011 wurden ca. 1.000 t Hackgut aus der Region in der Anlage verfeuert. Das entspricht einem Heizöläquivalent von
ca. 400.000 l bzw. einem gleich hohen Erdgasäquivalent von 400.000 m³ und einer CO2-Einsparung von bereits gut 800 t. Die Brennstoffkosten für das Hackgut belaufen sich auf
ca. 66.000 €. Der Bezug der gleichwertigen Menge Erdgas hätte Kosten in Höhe von rund 260.000 € verursacht. Im Vergleich zwischen Hackschnitzel und Erdgas ergibt sich damit ein Kostenvorteil in Höhe von knapp 75 % für den Landkreis Nürnberger Land.

Der Einsatz von Hackschnitzel-Heizanlagen bietet also deutliche ökologische und ökonomische Vorteile. Deshalb ist eine Wärmeversorgung durch Hackschnitzelfeuerungen auch für weitere Gebäude des Landkreises geplant bzw. schon realisiert, z. B. für den Kreisbauhof in Reichenschwand, das Leibniz-Gymnasium in Altdorf, das Schwimmbad in Altdorf oder das Paul-Pfinzing-Gymnasium in Hersbruck.

Beispiel Photovoltaik

Im Rahmen der Sanierungsarbeiten an den Dachflächen der Turnhalle und des Hauptgebäudes der Bertleinschule in Lauf wurde eine Photovoltaikanlage installiert. Die Dachflächen sind nach Süden ausgerichtet, frei von Verschattungen und bieten ideale Bedingungen für einen guten Stromertrag. Mit einer Gesamtfläche von ca. 1.400 m² ist diese PV-Anlage die größte Anlage ihrer Art auf einer städtischen Liegenschaft in Lauf. Die Gesamtleistung aller Module beträgt etwa 224 kWp und es werden pro Jahr rund 215.000 kWh elektrische Energie erzeugt. Etwa ein Drittel der Stromerträge wird direkt in der Schule verbraucht, die Stromüberschüsse werden in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Betreiber der Anlage sind die Städtischen Werke Lauf.

Solarkataster für die Gemeinde Neunkirchen am Sand

Solarkataster sind Landkarten von Kommunen, die dem Gebäudeeigentümer aufzeigen, wie gut sich seine Dachfläche für die Installation von Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen eignet. Ein Solarkataster berücksichtigt den lokalen Globalstrahlungswert und die Gebäudedachgeometrie. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat der Landkreis die Anfertigung eines Solarkatasters für die Gemeinde Neunkirchen am Sand durchführen lassen. Aufgrund der positiven Ergebnisse aus dieser Studie ist die Anfertigung von weiteren Solarkatastern auch in anderen Kommunen im Landkreis geplant.

Windkraftanlagen

In der Gemeinde Offenhausen wurden vier neue Windkraftanlagen (WKA) mit einer jeweiligen Leistung von 3 MW errichtet und in Betrieb genommen. Damit ist ein jährlicher elektrischer Gesamtenergieertrag von ca. 22.800 MWh zu erwarten. Rein rechnerisch ließen sich etwa 6.500 Einfamilienhäuser mit diesem Strom versorgen! Der CO2-Ausstoß wird dadurch um jährlich rund 13.000 t gemindert.

Zum Vergleich: Zur Erreichung einer äquivalenten elektrischen Leistung mithilfe von Photovoltaikanlagen müssten auf einer Fläche von ca. 13 Fußballfeldern Photovoltaikmodule installiert werden.

Elektromobilität

Das Landratsamt Nürnberger Land nutzt bereits sechs elek-trisch angetriebene Kraftfahrzeuge innerhalb der Dienst-Kfz-Flotte. Die elektrische Energie für die Ladung der Elektroautos stammt ausschließlich aus erneuerbaren Energien, denn der Landkreis bezieht bereits seit Anfang 2009 „Ökostrom“ für alle kreiseigenen Liegenschaften und die Ladevorgänge werden grundsätzlich nur an den Ladestationen im Landratsamt durchgeführt. Damit können mit dem Elektroautos durchschnittlich etwa 8,5 t CO2 im Jahr vermieden werden.

Ausbau des Radwegenetzes

Der Ausbau des Radwegenetzes ist ein wichtiger Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen und ist auch im Maßnahmenkatalog des Integrierten Klimaschutzkonzepts (IKSK) ausdrücklich genannt.

Das Landratsamt Nürnberger Land hat im Rahmen des Investitionsplanes 2013-2016 bereits rund 2 Mio. € für den Bau von neuen Radwegen im Kreisgebiet investiert. 2018 wurde ein Radverkehrskonzept erstellt, das das eher freizeitorientierte Radwegekonzept aus dem Jahr 2009 in ein zukunftsfähiges Verkehrskonzept überführt. Es beleuchtet alle Aspekte des Radfahrens und stellt vor allem den Alltagsverkehr in den Mittelpunkt.

Übrigens ist der Landkreis seit einigen Jahren Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK).