Passivhaus

Noch immer werden mehr als 40 % der eingesetzten Energie in Deutschland für Raumheizung und Warmwasser ver(sch)wendet. Mit einem Haus im Passivhaus-Standard lassen sich 80-95 % des Heizenergiebedarfs einsparen.

Das Passivhaus-Konzept
  • Guter Wärmeschutz und Kompaktheit
    Alle Bauteile der Außenhülle müssen rundum sehr gut wärmegedämmt werden. Kanten, Ecken, Anschlüsse und Durchdringungen müssen besonders sorgfältig geplant werden, um Wärmebrücken zu vermeiden.

  • Südorientierung und Verschattungsfreiheit
    Geeignete Orientierung und Verschattungsfreiheit sind weitere Voraussetzungen, damit der „passive“ Solar
energiegewinn optimiert und zum entscheidenden Wärmelieferanten werden kann.

  • Superverglasung und Superfensterrahmen
    Die Fenster (Verglasung einschließlich der Fensterrahmen) sollen einen U-Wert von 0,80 W/(m2K) nicht überschreiten. Bei Verglasungen gelten g-Werte um 50 % (g-Wert = Gesamtenergiedurchlassgrad, Anteil der für den Raum verfügbaren Solarenergie).

  • Hochwirksame Rückgewinnung der Wärme aus der Abluft
    Neben einer guten Raumluftqualität dient die Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung vor allem der Energieeinsparung. Im Passivhaus werden mindestens 80 % der Wärme aus der Abluft über einen Wärmeüberträger der Frischluft wieder zugeführt.

  • Energiespargeräte für den Haushalt
    Kühlschrank, Herd, Tiefkühltruhe, Lampen und Waschmaschine als hocheffiziente Stromspargeräte sind ein unverzichtbarer Bestandteil für ein Passivhaus.

Ein Passivhaus ist ein Gebäude, in dem ganzjährig eine behagliche Temperatur zu erreichen ist, und das ohne konventionelles Klimatisierungs- oder Heizsystem (mit Heizkörpern in jedem Raum). Es ist eine konsequente Weiterentwicklung des Niedrigenergiehauses (NEH), benötigt aber im Vergleich zu diesem 75 % weniger Heizenergie – im Vergleich zu einem konventionellen Gebäude sogar über 90 % weniger.

Umgerechnet in Heizöl kommt ein Passivhaus im Jahr mit weniger als 1,5 l pro Quadratmeter aus. Diese Einsparung erreicht es allein durch seine beiden wesentlichen Grundprinzipien:

Wärmeverluste vermeiden und freie Wärmegewinne optimieren

Eine sehr gut gedämmte Gebäudehülle mit Dämmstärken zwischen 25 und 40 cm und Fenster mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung bewirken, dass die Wärme im Haus bleibt. Für Frischluft sorgt eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung: Über einen Wärmetauscher werden dabei mindestens 80 % der Wärme von der Abluft an die Zuluft zurückgegeben.

Wärmegewinne erzielt das Passivhaus durch die Fenster und die Wärmeabgabe von Personen und Haushaltsgeräten. Im Sommer verhindert eine Verschattung, z. B. Balkon oder Jalousien, die Überhitzung der Räume. In den kalten Wintermonaten wird über die Komfortlüftung außerdem noch die Zuluft erwärmt, dadurch kann auf ein separates Heizsystem verzichtet werden.

Flexibel und zukunftsorientiert

Das Besondere am Passivhaus ist, dass es nicht auf eine spezielle Bauweise festgelegt ist. Es gibt Passivhäuser in Massiv-, Holz- oder Mischbauweise. Auch viele Hersteller von Fertighäusern bieten schon Passivhäuser an. Und der Passivhaus-Standard setzt sich nicht nur bei Wohnhäusern durch: Längst gibt es auch Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäude und Produktionsstätten im Passivhaus-Standard. Auch bei der Sanierung von Altbauten lässt sich übrigens ein Passivhaus-Standard umsetzen.

Mit der EnEV 2014 wurden die Grenzwerte für 2016 gesetzt, die bis zum Jahre 2020 bereits den Passivhaus-Standard erreichen sollen. So ist schon heute absehbar, dass der Passivhaus-Standard voraussichtlich bis zum Jahre 2020 in Deutschland verbindlich eingeführt werden wird.

Und die Kosten?

Das Passivhaus spart Energie und Geld! Die Baukosten zur Errichtung z. B. eines Einfamilienhauses in Passivhaus-Standard liegen rund 5-15 % über denen, die für den Bau 
eines Hauses nach aktueller EnEV anfallen. Diese Mehrkosten amortisieren sich durch die Energieeinsparungen – je nach Ent
wicklung der Energiepreise – in etwa zehn Jahren. Zudem werden sie zum größten 
Teil durch die Passivhaus-Förderung der 
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufge
fangen.

Fazit
  • ganzjährig angenehme Temperaturen ohne konventionelles Klimatisierungs- oder Heizsystem
  • Energieeinsparungen von 75 % im Vergleich zum Niedrigenergiehaus, 90 % im Vergleich zu konventionellen Wohngebäuden
  • hohe Raumluftqualität dank moderner Filter und durchgängiger Belüftung des Hauses
  • Ausgleich des Mehrkostenaufwands durch Energieeinsparungen sowie Förderprogramme